Schwierige Verhaltensweisen

Die Krankheit kränkt - nicht der Kranke. Menschen mit Demenz haben die gleichen Bedürfnisse wie du und ich. Sie können diese Bedürfnisse allerdings meist selbst nicht mehr stillen.

In vielen Fällen ist herausforderndes Verhalten ein Ausdruck unbefriedigter Bedürfnisse. Es kann auch ein Versuch sein Bedürfnisse selbst zu befriedigen. Auf eigene, oft "kreative" Art und Weise.

Wichtig für den Umgang mit Herausforderungen ist es, die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz zu kennen; zu erkennen, wann ein Mangel an Bedürfnisbefriedigung vorliegt. 


Schwierige und herausfordernde Verhaltensweisen:

  • führen häufig zu einer frühzeitigen Heimaufnahme und/oder zum Krankenhausaufenthalt.
  • stellen eine starke Belastung für das soziale Umfeld dar
  • können in allen Stadien vorkommen
  • nehmen in den mittleren Stadien stark zu, danach wieder weniger häufig
  • beeinträchtigen massiv die Lebensqualität

Bitte Beachten Sie:

Schwierige Verhaltensweisen können durch stadiengerechte Kommunikation sowie das Erfüllen der Bedürfnisse der Betroffenen vermieden werden!

Holen sie sich als Angehöriger in dieser Situation jede Hilfe die Sie bekommen können. Zum Beispiel:

Informationen zu

  • Krankheitsverlauf und Krankheitsbild
  • psychosoziale Begleitung, Entlastung durch Beratung
  • Umgang mit schwierigem Verhalten
  • Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe

Schwierige Verhaltensweisen können sein:

  • Paranoide Ideen und Wahnvorstellungen (falsche Vorstellungen, Phantasien)
  • Halluzinationen (Dinge, die nicht real vorhanden sind)
  • Aktivitätsstörungen
  • Agressivität
  • Schlafstörungen
  • Affektive Störungen
  • Ängstlichkeit

Mögliche Hintergründe schwieriger Verhaltensweisen

Besonders bei Personen mit Demenz wird empfohlen deren Verhaltensweisen vom Standpunkt der betroffenen Person aus zu betrachten und zu analysieren. Oft sind wir versucht zu glauben, dass Menschen mit fortgeschrittener Demenz nichts mehr von der Außenwelt wahrnehmen. Dem ist nicht so. Durch die Erkrankung gehen zwar viele Fähigkeiten verloren, aber die Gefühlswelt, die Emotionen bleiben erhalten und sind im Vergleich zu den geistigen Fähigkeiten relativ unbeeinträchtigt. Menschen mit Demenz können sich ihre Umgebung oft nicht erklären. Diese wird dann oft als bedrohlich wahrgenommen. Daher kann das Verhalten auch als emotionale Reaktion auf diese Form der Bedrohung gesehen werden.


Interpretationsmöglichkeiten:

Schwierige Verhaltensweisen

  • können als Anpassungsversuche gedeutet werden, wenn sozial anerkannte Normen nicht mehr funktionieren.
  • sind der Versuch durch abweichendes Verhalten wieder mehr Selbstbestimmung zu erlangen.
  • sind der Versuch zur Kommunikation.
  • sind Reaktion auf eine Welt, welche nicht mehr vertrauensvoll und sicher erscheint.
  • können als negatives Empfinden der AD-Betroffenen gedeutet werden.
  • signalisieren sehr oft Bedürfnisse.
  • können verschiedene Ursachen haben. 

Möglicher Umgang mit schwierigem Verhalten:

Achtung! Ein allgemein gültiges Patentrezept gibt es nicht!

Grundsätzlich gilt im Umgang mit Betroffenen:

  • Das Gefühl von Sicherheit geben.
  • Auf die Bedürfnisse eingehen.
  • Erkennen der momentanen Wirklichkeit, ein Lösen von dieser ist bewusst nicht möglich - subjektive Wirklichkeit akzeptieren.
  • Nicht schimpfen und auf Defizite hinweisen.
  • Gutes Beobachten der Reaktion.
  • Versuchen selbst ruhig zu bleiben, auch wenn es manchmal schwer fällt.
  • Ab mittlerem Stadium - Vermeidung von Überzeugungsversuchen.

 

Florian Sebesta | MAS-Trainer

Florian Sebesta

Psychologischer Berater | MAS-Trainer

Ziel meiner Arbeit ist es AUTONOMIE und SELBSTWERT für Menschen mit Demenz solange wie möglich zu erhalten und Angehörigen Entlastung zu bieten.