Demenz: einfühlsam kommunizieren mit Betroffenen

Kommunikation bei Alzheimer

Sinnvolle, wertschätzende Kommunikation mit Menschen mit Alzheimer-Demenz ist erlernbar. Betroffene und Angehörige profitieren nachweislich davon mit höherer Lebensqualität.
Grundregeln und -verhaltensweisen für eine stadiengerechte Kommunikation

Stellen Sie sich Folgendes vor: Die Menschen in Ihrer Umgebung sprechen ständig von Dingen, die Sie nicht verstehen. Es tut jedoch jeder so, als sei das alles ganz verständlich. Wie würden Sie reagieren? Verunsichert? Verärgert? Verstört?

Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten, wissen Sie, wie es Ihrem an Alzheimer-Demenz erkrankten Angehörigen wahrscheinlich sehr oft geht.

Mit Fortschreiten der Erkrankung geht die Kommunikationsfähigkeit verloren.

Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Demenzform verlieren nach und nach die Fähigkeit zu kommunizieren. Für die Angehörigen ist dies schmerzlich. Normale Gespräche mit Mutter oder Vater bzw. Partner*in werden zunächst schwierig, mit Fortschreiten der Erkrankung unmöglich.

Stadiengerecht kommunizieren mit den Betroffen

Die Erkrankung wird von Experten in 7 Stufen bzw. 7 Stadien eingeteilt. Diese beschreiben, wie sich die Fähigkeiten von betroffenen Menschen von normaler Funktion durch fortgeschrittene Alzheimer-Erkrankung verändern. Dementsprechend ist es auch erforderlich die Kommunikation an das jeweilige Stadium anzupassen. Man spricht dabei von “stadiengerechter Kommunikation”.

In einem Übergangsstadium bzw. frühen Stadium

Die Kommunikation ist großteils normal, teilweise treten Wortfindungsstörungen auf bzw. verringert sich der Wortschatz.


●      Achten Sie auf einen einfühlsamen, beratenden Kommunikationsstil.

●      Geben Sie Ihrem/r Angehörigen Zeit, entschleunigen Sie das Gespräch.

●      Helfen Sie bei der Wortsuche, umschreiben Sie zum Beispiel bei Wortfindungsstörungen den gesuchten Begriff.

●      Wiederholen Sie die Sätze mit den korrekten Wörtern.

●      Benennen Sie gesuchte Wörter, um Stress abzubauen.

●      Helfen Sie mit Fragen wie z.B. „Meinst Du ...?“ weiter.
 

In einem mittlern Stadium

Die Betroffenen haben Defizite beim Erinnern an wichtige Aspekte ihres Lebens, die zeitliche Orientierung ist beeinträchtigt. Grammatikalische Fehler treten häufig auf, komplexe Sätze bereiten Schwierigkeiten. Der Wortschatz ist deutlich verringert und Wortfindungsstörungen häufig.

●      Vermeiden Sie „Warum-Fragen“.

●      Führen Sie keine langen Diskussionen.

●      Sprechen Sie Ihren Angehörigen direkt an.

●      Kommentieren Sie die Themenwechsel in einem Gespräch.

●      Führen Sie Ihren Angehörigen von der Phantasie behutsam in die Realität zurück.
 

In einem fortgeschrittenen Stadium

Es tritt eine Verlangsamung der Sprache auf. Der Betroffene hat gravierende Wortfindungsstörungen. Einige wichtige und hilfreiche Verhaltensregeln dazu:


●      Sprechen Sie deutlich und langsam, geben Sie eine klare Gesprächsrichtung vor.

●     Verwenden Sie kurze und einfache Sätze. Wiederholen Sie diese. Eine Information je Satz ist ausreichend.

●      Bitte keine „Babysprache“ und kein „Demenzfreudlichkeitsmodus“!

●      Widersprechen und bevormunden Sie nicht.

●      Vermeiden Sie logische Erklärungen.

●      Zerlegen Sie Handlungen in einzelne Schritte.

●      Nutzen Sie alle Sinne: z.B. Gegenstände befühlen lassen, zur Hand nehmen.

●      Vergessen Sie nie auf Lob.

●      Verstummen Sie nicht mit Ihrem Angehörigen.

Grundsätze in der Kommunikation

Personen mit Alzheimer-Demenz reagieren mit zunehmendem Krankheitsverlauf sehr sensibel auf Kritik, aber auch auf Unter- bzw. Überforderung. Achten Sie daher in der Kommunikation vor allem auf einen wertschätzenden Umgang. Vorwürfe sind zu vermeiden. Beachten Sie noch vorhandene Fähigkeiten und bedenken Sie diese, wenn passend, mit angemessenem Lob.

Wenn Sie einfache Prinzipien in der Kommunikation mit ihrem betroffenen Angehörigen beachten, trägt dies wesentlich zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei. Wichtig dabei ist es, sich immer wieder in die Situation der/des Betroffenen zu versetzen. Dann werden sich Wege auftun, um miteinander in Kontakt und im Gespräch zu bleiben.

Fazit:

Sinnvolle, wertschätzende Kommunikation mit Menschen mit Demenz erfordert prinzipiell keine besonderen „Techniken“ und ist erlernbar. Menschen mit Demenz und deren Angehörige profitieren davon nachweislich mit einer höheren Lebensqualität für beide Seiten.

Gerne stehe ich Ihnen mit weiteren Tipps und Ratschlägen für eine auf Ihren erkrankten Angehörigen angepassten stadiengerechten Kommunikation zur Verfügung.

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Portrait: Florian Sebesta

Florian Sebesta

MAS-Demenztrainer & Psychologischer Berater

Bei meiner Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt.

Der Leitsatz für all mein Tun:

Der Mensch wird erst am Du zum Ich!

Martin Buber