Warum Alzheimer auch Chance sein kann

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"WEIL ES NIE DER KRANKE IST DER KRÄNKT, SONDERN IMMER DIE KRANKHEIT"
Warum es für Angehörige von Alzheimer-Erkrankten Sinn macht die Krankheit anzunehmen.
Möglichkeiten zu einem gelingenden Leben mit Alzheimer-Demenz für Betroffene und für pflegende und begleitende Angehörige.

In den Schuhen des Anderen gehen - ein kleines Selbstexperiment

Versetzen Sie sich bitte in folgende Situation:

  • Sie sehen auf Ihre Uhr und können nicht sagen, wie spät es ist.
  • Sie möchten sich Kaffee machen - wissen jedoch nicht, wie die Kaffeemaschine zu bedienen ist.
  • Sie machen sich auf zu Ihrem täglichen Einkauf. Die Umgebung ist Ihnen bestens vertraut. Am Weg zum Geschäft verlieren Sie die Orientierung
  • Sie gehen in die Trafik um Briefmarken zu kaufen. Plötzlich fällt Ihnen das Wort "Briefmarke" nicht mehr ein.
  • Sie nehmen Ihr Telefon zu Hand und möchten eine Bekannte anrufen. Sie wissen nicht mehr wie man das Telefon bedient.
  • Sie möchten Ihre Lieblingsserie im Fernsehen ansehen - wissen aber nicht mehr wie der Fernseher einzuschalten ist.

Wie ist es Ihnen in diesen Situationen ergangen?

Welche Gefühle sind in Ihnen hochgekommen?

Sie haben nun eine ungefähre Vorstellung, was mit Ihrem an Alzheimer-Demenz erkrankten Angehörigen passiert, wie sie/er sich fühlt. Sehr gut. Sie haben sich bereits auf den Weg gemacht um loszulassen. Ein erster wichtiger Schritt zu einem gelingenden Leben mit der Krankheit.

Loslassen bedeutet annehmen

Indem Sie sich Zeit genommen und darauf eingelassen haben, sind Sie in die Lebenswelt des Erkrankten eingetaucht. Sie haben die Welt Ihres erkrankten Angehörigen mit dessen Augen betrachtet und verstehen jetzt vielleicht etwas besser, was die Krankheit bewirken kann. Möglicherweise fällt es Ihnen damit auch etwas leichter mit den seltsamen, manchmal auch herausfordernden Verhaltensweisen umzugehen. 

Darf ich denn überhaupt loslassen und wie kann das funktionieren ?

Mein Zugang dazu ist, es unbedingt zu versuchen. Denn für die Krankheit sind nicht sie verantwortlich. Allerdings sollten Sie sich dafür verantwortlich fühlen, alles zu unternehmen, dass es Ihnen und dem/der Erkrankten gut geht. In einem tieferen Sinne bedeutet loslassen annehmen. Ihren erkrankten Angehörigen in seiner jetzigen Situation, mit dem Wissen, dass es nicht mehr so wird wie früher einmal - aber auch, dass es ausschließlich die Krankheit ist, die kränkt.

Loslassen lernen ist ein Prozess - kein Ratschlag

Loslassen gehört zum Leben dazu. Loslassen lernen begleitet uns ein ganzes Leben - an jedem Tag, in jeder Sekunde. Manchmal bringt uns das auch zur Verzweiflung. In manchen Situationen mag es einfach nicht gelingen - loszulassen. In fordernden, wichtigen oder unangenehmen Lebenssituationen hat man oft das Gefühl schwer loslassen zu können. Disziplin und Geduld sind gefragt. Man möchte das Unerwünschte wegschieben. Durch die Erkrankung eines Angehörigen an Demenz werden Sie möglicherweise in so eine Situation geraten. Es kann dies eine schmerzhaften, langen Abschied von Ihrem geliebten Angehörigen bedeuten. 

Demenz bedeutet nicht nur Vergesslichkeit - auch Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit der Erkrankten sind vorprogrammiert - wahrgenommen werden diese ersten Veränderungen in vielen Fällen noch bevor eine Diagnose vorliegt. Die Erkrankten wirken möglicherweise verunsichert und werden aggressiv - in manchen Fällen aber auch liebevoller und zugänglicher. Und immer wieder berichten Angehörige in meinen Beratungen, dass durch die Demenz eine grössere Nähe zun den 

 


Demenz zeichnet sich nicht bloss durch Vergesslichkeit aus, sondern bringt immer auch eine Veränderung im Verhalten und in der Persönlichkeit der Erkrankten mit sich. Sie können verunsichert wirken, aggressiv werden oder auch liebevoller und zugänglicher.

«Eine Persönlichkeits- und Verhaltensveränderung ist oft das Erste, was die Angehörigen von einer Demenz spüren – noch bevor die Diagnose steht», sagt Verena Gygax von der Alzheimervereinigung Bern. Solche Veränderungen würden gerade von Menschen, die sich bei der Alzheimervereinigung Hilfe suchen, meistens als negativ empfunden, sagt Gygax.
Doch hört die Beraterin auch immer wieder von Angehörigen, dass durch die Demenz eine grössere Nähe zu den Erkrankten möglich wird – so wie im Fall von Luise und Franziska Gaugler (siehe Haupttext).

 

 

 

 

 

FAZIT:

  • SCHLÜFPEN SIE IN DIE SCHUHE DES ERKRANKTEN MENSCHEN
  • BETRACHTEN SIE DIE WELT MIT SEINEN AUGEN
  • DANN VERSTEHEN SIE, WAS DIE KRANKHEIT BEWIRKT
  • DADRUCH BRINGEN SIE MEHR VERSTÄNDNIS FÜR SEINEN ALLTAG AUF
  • DER UMGANG MIT SELTSAMEN VERHALTENSWEISEN FÄLLT IHNEN ETWAS LEICHTER
  • ALL DIES KANN BASIS FÜR EINE NEUE BEZIEHUNG UND EIN GUTES MITEINANDER SEIN
  • ES IST NIE DER KRANKE DER KRÄNKT - SONDERN IMMER DIE KRANKHEIT

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Portrait: Florian Sebesta

Florian Sebesta

MAS-Demenztrainer & Psychologischer Berater

Bei meiner Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt.

Der Leitsatz für all mein Tun:

Der Mensch wird erst am Du zum Ich!

Martin Buber